Mehrere Reinigungsmittel in bunten Plasktibehältern

Tenside, Mikroplastik, Chemikalien: so gefährlich sind Reinigungsmittel

Du bist beim Einkaufen, möchtest noch schnell einen Glasreiniger kaufen und dann – das Regal. Hunderte Verpackungen, eine bunter als die andere, lächeln dich an. Für jeden Fleck und jede Fläche das passende Putzmittel. Diese Auswahl kann schnell überfordern und wirft Fragen auf. Brauchen wir wirklich so viel Auswahl? Und was steckt denn da alles drin?

Laut IKW (Industrieverband Körperpflege und Waschmittel) wurde 2020 in Deutschland knapp 5,24 Milliarden Euro für Haushaltspflegeprodukte ausgegeben. 2004 waren es noch 3,79 Milliarden Euro. Das vergangene Jahr zählt somit – nicht zuletzt durch Corona – zu den umsatzstärksten Jahren überhaupt.

Das Bedürfnis nach einer sauberen, keimfreien Wohnung ist groß geworden. So groß, dass fast wöchentlich neue Produkte erscheinen, die mit teils absurden Versprechen werben („streifenfrei sauber“, „angenehm duftend“). Doch um die Versprechen einhalten zu können, werden Inhaltsstoffe mit eingearbeitet, die für Mensch und Umwelt bedenklich sind. Wir stellen dir die wichtigsten Inhaltsstoffe und die Wirkung auf die Umwelt vor.

Die beliebtesten „Haushaltspflegeprodukte“, sortiert nach Verkaufszahlen:

  • Flüssigwaschmittel
  • Oberflächenreiniger
  • Waschhilfsmittel
  • Maschinengeschirrspülmittel (Taps)
  • Weichspüler
  • Lufterfrischer
  • Pulverwaschmittel
  • WC-Reiniger 
  • Handgeschirrspülmittel
  • Waschmitteltaps
  • Haushalts-Insektizide
  • Poliermittel
  • Autopflegeprodukte

Viele Reinigungsmittel enthalten Tenside, die aus Erdöl hergestellt werden. Sie sind waschaktive Substanzen und sorgen dafür, dass sich Fette lösen und sich mit dem Putzwasser verbinden (Emulgieren). Je nach Verwendungszweck werden unterschiedliche Variationen verwendet.

Anionische Tenside sind negativ geladene Tenside. Sie besitzen die höchste Wasch- und Reinigungsleistung und schäumen stark. Man findet sie vor allem in Waschmitteln sowie Haushaltsreinigern.

Kationische Tenside sind positiv geladen und haben eine geringere Reinigungsleistung. Sie haben weichmachende Eigenschaften, weshalb man sie in Weichspülern findet. Außerdem wirken sie antistatisch und werden deshalb auch in Haarpflegeprodukten eingesetzt.

Amphotere Tenside sind sowohl positiv als auch negativ geladen. Sie werden oft mit anderen Tensiden zusammen verwendet und werden unter anderem in Kosmetikprodukten eingesetzt.

Nichtionische Tenside besitzen keine Ladung und sind weniger härteempfindlich als andere Tenside. Sie kommen besonders häufig in Waschmitteln vor, die schon bei geringer Temperatur wirken sollen. 

Mehr und mehr werden Tenside natürlichen Ursprungs eingesetzt. Diese werden z. B. aus Palmöl hergestellt, was aus Umweltschutzgründen zu kritisieren ist. Folgen des größer werdenden Bedarfs an Palmöl sind gewaltige Monokulturen, Brandrodungen sowie Artenvernichtung. Da sich „natürliche Tenside“ besser auf der Verpackung liest, werden sie vor allem für das „Greenwashing“ eingesetzt.

Die Wirkung von Tensiden auf unsere Umwelt 

Fließen Tenside in öffentliche Gewässer, hat das eine stark toxische Auswirkung auf alle Wasserbewohner. Die Substanz legt sich wie ein Film über die Tierhaut, schädigt die Kiemen und macht die Haut anfälliger für Infektionen. Generell kann die größte Menge an Tensiden von Kläranlagen durch Bakterien zersetzt werden, ein Restbestand bleibt aber übrig. Auch natürliche Tenside gelangen in Gewässer, da die kurze Verweildauer in Kläranalagen oft nicht zum vollständigen Abbau reicht.

Reinigungsmittel_im_korb

Warum ist Mikroplastik in Reinigungsmittel?

Die (höchstens) fünf Millimeter kleinen Kügelchen werden zur Verbesserung der Produkteigenschaften eingesetzt. In Reinigungsmittel unterstützten sie den Reinigungseffekt. Auch aus ästhetischen Gründen werden sie dem Mittel zugesetzt. So machen die kleinen Teilchen das Gemisch trüber und geben dem Reinigungsmittel ein cremiges, edles Aussehen.

Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik und der NABU werden in Deutschland jährlich 55 Tonnen Mikroplastik durch Reinigungsmittel übers Abwasser in die Umwelt geschwemmt. Dazu kommen 23.200 Tonnen gelöste Polymere, deren vollständige Auswirkungen auf die Umwelt noch nicht geklärt sind.

Das freigesetzte Mikroplastik wird von Fischen und Schalentieren aufgenommen und landet so über Umwege wieder bei dir. In Form von kontaminierter Nahrung, der Luft und anderen Quellen, nimmst du so wöchetnlich bis zu 5 Gramm Mikroplastik auf. Das entspricht in etwa dem Gewicht einer EC-Karte. 

Das Mikroplastik enthält Giftstoffe, wie Weichmacher, Bisphenol A, Phthalate und Styrol-Verbindungen. Die Stoffe gelten als krebserregend und können sich auf die Hormonproduktion im Körper einwirken. Mit der App „Codecheck“ kannst du beim Einkaufen prüfen, ob sich im Produkt Mikroplastik befindet.

Wie gefährlich sind Duftstoffe in Reinigungsmittel?

Im Gegensatz zu Tensiden und Mikroplastik sind Düfte wie „Ozeanfrisch“ oder „Citruspower“ keine notwendigen Substanzen. Sie dienen lediglich der Ästhetik und dem Wohlbefinden. Sie können uns unterbewusst das Gefühl eines blitzsauberen Badezimmers oder einer sterilen Küche geben. Kurz: Es riecht superfrisch, also ist es auch sauber.

Duftstoffe riechen zwar gut, sind aber teils schädlich für uns. Einige synthetische und natürliche Düfte haben ein hohes Allergiepotenzial. Bei ca. 500.000 Duftstoffallergiker:innen in Deutschland können sie ernste Reaktionen, sogar lebensbedrohliche Zustände hervorrufen. Auch in vielen Bio-Reinigern sind Duftstoffe zugesetzt, weshalb auch hier Vorsicht geboten ist. Welcher Stoff genau drin ist, muss dabei nicht immer deklariert werden. Oft findet sich auf den Verpackungen lediglich der Hinweis „Duftstoff“ oder „Parfüm“.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt eine Liste von 26 deklarationspflichtigen Duftstoffen. Diese gelten als besonders allergen und müssen ab einer Konzentration von 0,01 %, einzeln angegeben werden.

Andere gesundheitsbedenkliche Inhaltsstoffe in Reinigungsmittel

Häufig werden auch antimikrobielle und antivirale Stoffe den Reinigern hinzugefügt (Desinfektionsmittel). Einen wirklichen Nutzen haben diese Stoffe aber nicht. Tests haben ergeben, dass normales Spülmittel mit Wasser die Flächen gleich sauber und keimfrei putzen. Forschungen belegen auch, dass der übermäßige Gebrauch von desinfizierenden Haushaltsreinigern die Bildung von multiresistenten Erregern begünstigt. Gleichzeitig gelangen die Substanzen durch Abwasser in die Umwelt. Selbst moderne Kläranlagen sind nicht in der Lage, all diese Stoffe aus dem Wasser zu filtern. 

Konservierungsstoffe, die für die Haltbarkeit von Reinigungsmittel zugesetzt werden, gelten ebenfalls als stark gesundheitsbedenklich. Formaldehyd und Isothiazolinone, die in vielen Reinigungsmittel vertreten sind, können Allergien und Hautreizungen verursachen. Manche Menschen reagieren auf Formaldehyd mit Atemproblemen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Zwar versucht die Industrie mit möglichst geringen Mengen eine überempfindliche Reaktion zu vermeiden, ausschließen lässt sie sich aber nicht. 

Das Problem mit dem Plastikmüll

Laut einer Studie produziert eine Person pro Jahr in Deutschland durchschnittlich 15 kg Plastikmüll – alleine durch Reinigungsmittel. Umgerechnet sind das ungefähr sechs gelbe Säcke. Da der Trend hin zu kleineren Verpackungen geht, könnte dieser Müllberg in Zukunft wachsen.

Wie du siehst, gibt es in der Reinigungsindustrie viele gesundheitliche und ökologische Risiken. Um dem etwas entgegentzusetzen, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Eine andere Möglichkeit ist, Reinigungsmittel selbst herzustellen. Wie das geht, und worauf du achten musst, erfährst du bald hier bei natur&ich.

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