LandFrauenverband Baden-Württemberg

An die Macht! LandFrauen kämpfen weltweit für Frauenrechte

Heute, am 8. März, ist der Internationale Tag der Frauen. Ein wichtiger Tag, denn noch immer müssen Frauen für gleiche Löhne bei gleicher Arbeit streiten, für Plätze in Wirtschaft und Politik kämpfen und für ihre Rechte auf die Straße gehen. Der Tag soll auch auf die Missstände in anderen Ländern aufmerksam machen, in denen Frauen so wenig zu sagen haben, dass man es kaum glauben mag. Zu diesem Anlass portraitieren wir Frauen, die sich zusammentun, um gemeinsam kreativ zu sein und sich gegenseitig unterstützen: die LandFrauen.

LandFrauenverband Württemberg-Baden e.V.

Er wurde 1947 gegründet mit dem Ziel, Gerechtigkeit und Chancengleichheit für Frauen, die im ländlichen Raum zuhause sind, zu schaffen. Zudem setzen sich die LandFrauen für die Wahrnehmung und die Anerkennung der Leistungen von Frauen ein – sei es im Beruf, in der Familie, in Gesellschaft und Politik, in Bildung, Wirtschaft oder in der Kultur.

Mehr als Kuchenbäckerinnen

Bestimmt bist du den Landfrauen schon einmal in Aktion begegnet. Auf den Märkten verkaufen sie Kuchen, Brot und Käse – selbstredend in Eigenregie entstanden. Sie unterstützen Vereine, Schulen, Hofläden und Dorffeste. Gleichzeitig haben diese Frauen oft zu Hause noch Hof und Kinder zu versorgen und einen Tierzuchtbetrieb oder Obstanbau als Haupt-/Nebenerwerb. 

Was aber in der Öffentlichkeit nicht immer sichtbar wird: sie sind auch politisch stark engagiert und sorgen dafür, dass die Rechte der Frauen gewahrt werden. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft der LandFrauenverbände in Baden-Württemberg (AG LFV). Mit über 80.000 Mitgliedern ist die AG LFV die größte baden-württembergische Interessenvertretung für Frauen im ländlichen Raum und in 56 Kreis- und Bezirksverbänden und 1.036 Ortsvereinen organisiert.

Gemeinschaft erleben

Dabei werden die wirtschafts-, sozial- und gesellschaftspolitischen Interessen der Frauen im ländlichen Raum vertreten. Die Arbeitsgemeinschaft wird von ehrenamtlichen Führungskräften geleitet, ist parteipolitisch neutral und konfessionell ungebunden. Wie die Frauen dabei ihre Talente und Fähigkeiten nutzen und sich gegenseitig unterstützen, ist bemerkenswert. Das Geheimnis ihrer Vielseitigkeit liegt wohl in der Gemeinschaft: „LandFrauen sind füreinander da und setzen gemeinsam neue Impulse. Sie genießen das Miteinander und schöpfen daraus Lebensfreude“. 

natur&ich hat sich mit dem LandFrauenverband Württemberg-Baden e.V. in Verbindung gesetzt und Marie-Luise Linckh, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Baden, interviewt :

Marie-Luise Linkh, Präsidentin der LandFrauen Baden-Württemberg e.V.
Foto: dlv

Frau Linckh, Sie sind Präsidentin des LandFrauenverbandes Württemberg-Baden e.V. mit dem Sitz in Ludwigsburg. Wir würden gerne wissen, welchen Stellenwert die Frau auf dem Land heute inne hat?

Marie-Luise Linckh: Die Frauen von heute sind auch auf dem Land engagiert, gebildet und aktiv. Sie übernehmen nach wie vor so viele Aufgaben, die groß gar nicht auffallen. Von der Schülervertreterin über Elternsprecherin und natürlich auch in der Kommunalpolitik. Auf dem Land sind viele politisch aktiv. Es gibt so viel frauenrelevante Themen, die wir als Landfrauen aufgreifen und das ist ganz wichtig. Der Sinn der Sache ist, „sich zu trauen, sich zu Wort zu melden“. Und da sind Frauen auf dem Land gut dabei.

Der Landfrauenverband engagiert sich weit über Bildung, Gesundheit und Soziales hinaus. Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Marie-Luise Linckh: Da wäre zum Beispiel unsere Hebammenaktion, für die bundesweit eine Unterschriftenaktion läuft, oder das Thema der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. Derzeit setzen wir uns für die finanzielle Sicherung der Krebsberatungsstelle ein. Unser Anschreiben an das Ministerium wird demnächst zum Thema im Bundesrat gemacht.

Sie arbeiten generationenübergreifend und wollen auch die junge Generation ansprechen?

Marie-Luise Linckh: Uns sind alle Frauen wichtig. Die Seniorinnen sind eine große Stütze des Vereins, zum Teil gehören sie noch zu den Gründerinnen, sind immer da und greifbar. Auf sie wollen wir nicht verzichten und sorgen auch in Zeiten von Corona dafür, dass wir in Verbindung bleiben und alle auf dem Laufenden halten. Und um den Nachwuchs müssen wir uns natürlich kümmern, doch das schaffen wir ganz gut mit unseren Programmen und Onlineangeboten wie spezielle Schulungen, oder Sport und Bewegung, Kraftquellen für den Alltag und mehr.  

Tolle Projekte beim Deutschen LandFrauenverband e.V.

Gründungslotsinnen LandFrauen
Foto: dlv

Gründungslotsinnen unterstützen bei Existengründung

Hilfe bei der Existenzgründung können die Frauen geben, die sich als Gründungslotsin ausgebildet haben. Gerade Frauen in ländlicher Gegend haben es nicht leicht, trotz guter Ausbildung einen wohnortnahen Arbeitsplatz zu finden. Für viele bietet das eigene kleine Unternehmen eine Chance. Mit Workshops und der Ausbildung von Lotsinnen, meist Frauen mit Gründungserfahrung, unterstützen der Landfrauenverband die Vorhaben potentieller Gründerinnen und gibt so die Möglichkeit, die Frauen in der Region zu halten. 

Foto: dlv

Landfrauen Guides helfen beim Kaufentscheid

Ein tolles Projekt der Landfrauen ist die Ausbildung zum „LandFrauenGuide“. Wer kennt es nicht, die Frage nach der Richtigen Entscheidung, wenn ein besonderer Kauf ansteht. Hier arbeitet der dlv mit der Verbraucherzentrale zusammen. Speziell ausgebildete Frauen, (Guides) sollen helfen, Orientierung im Dickicht der Kauf- und Vertragsentscheidungen zu geben, Kontakte zu Beratungsstellen aufbauen und sensibilisieren Verbraucherinnen.

Recht auf Geburtshilfe im ländlichen Raum

Im ländlichen Raum schließen immer mehr Geburtsstationen ohne alternatives Angebot. Gab es im Jahr 2000 noch 1.142 Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, waren es laut Statistischem Bundesamt 2018 nur noch 778. „Für werdende Mütter hat das Schließen von Geburtsstationen fatale Konsequenzen. Frauen, die entbinden, müssen zunehmend lange Wege auf sich nehmen, um medizinisch betreut zu werden. Das kann zu einer echten Gefährdung für die eigene und für die Gesundheit des Kindes führen. Überall, egal ob im städtischen oder ländlichen Raum, müssen Frauen während der Schwangerschaft sowie bei und nach der Entbindung das Recht auf eine gute und vor allem wohnortnahe geburtsmedizinische Versorgung und Hebammenbetreuung haben.“

Landfrauen in Kenia
Foto: dlv

Unterstützung in Ghana und Kenia

„Frauen stärken, ländliche Entwicklung und Ernährung sichern!“ International ist es dringend an der Zeit, umzudenken und umzulenken. Daher setzt sich der Deutsche LandFrauenverband seit 2017 in Ghana für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Land- und Ernährungswirtschaft ein. So hat zum Beispiel ein Bienenprojekt in Kenia – betreut vom LandFrauenverband Württemberg-Baden – bislang 92 Bienenhalterinnen ausgebildet und für eine sichere Existenz der Frauen gesorgt.

Wir finden, die LandFrauen sind ein gutes Beispiel dafür, dass man in Gemeinschaft und in der Zusammenführung von Talenten und Informationen viel erreichen kann. Was einst als Hausfrauenverein begann, ist heute zu einer taffen Institution geworden mit dem Motto: Mut machen – aktiv bleiben – Solidarität leben! Den 8. März, den Internationaler Frauentag deklarieren sie als „Frauenkampftag“. Es ist ein Tag, um weltweit Solidarität zu zeigen und sich für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzusetzen. Ein Tag, um Missstände zu benennen und auf die Straße zu gehen. 

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